Zwei Stunden – Vom Traum den Marathon zu laufen

Jeder der sich schon einmal etwas tiefer mit der Materie Laufsport auseinandergesetzt hat ist auf das Thema „Grenzen“ gestoßen. Egal ob im persönlichen Bereich oder im Profilaufsport – diese sogenannten Schallmauern gilt es immer wieder zu brechen. Härter, schneller, weiter – die Jagd nach immer neuen Bestzeiten und Weltrekorden. Eine der härtesten und für viele Experten unerreichbare Grenze stellt die 2 Stunden Marke im Marathon dar. Und genau mit diesem Thema beschäftigt sich das Laufbuch „Zwei Stunden – Vom Traum den Marathon zu laufen“. Es gibt uns tiefe Einblicke hinter die Kulissen des Laufsports, analysiert Leistungen und begleitet die absoluten Topläufer im Marathonlauf.

Grenzen sind da um gebrochen zu werden

Ja es gibt sie, die Grenzen die wir auferlegt bekommen. Viele davon machen wir uns selbst in unserem Kopf, aber viele sind wirklich da und unüberwindbar. Bis dann jemand kommt und einem eines besseren belehrt. Die meisten halten die Schallmauer von zwei Stunden im Marathon* für eine unüberwindbare Hürde. Aber genau diese Grenzen gab es schon so oft davor im Laufsport. Eine sehr bekannte Schallmauer stellte für lange Zeit die Meile dar. Jeder war der Meinung die 4 Minuten Marke könnte niemals über die Meile gebrochen werden. Dann kam im Jahr 1954 Roger Bannister und belehrte die Menschheit eines Besseren. Er erreichte eine Zeit von 3:59:40 Minuten über die Meile und von da an wurde diese Zeit immer weiter verbessert. Doch können alle Grenzen gebrochen werden? Vor allem die 2 Stunden im Marathon?

September 2012 – der Berlin Marathon

Schon auf der ersten Seite startet das Buch direkt mit tiefen Einblicken in den Berlin Marathon 2012. Geoffrey Kiprono Mutai steht mit weiteren 41.000 Startern an der Startlinie. Ein Kenianer mit einer Größe von 1,70 m und gerade mal 57 Kilogramm. Vor ihm 42.195 m die es so schnell wie möglich zu bewältigen gilt. Und natürlich gibt es für so einen Läufer nur ein Ziel – zu gewinnen das ist klar, aber noch wichtiger – es sollte ein neuer Weltrekord werden. Der Startschuss fällt und es geht direkt mit einem absoluten Höllentempo los. Verständlich, dass die Motivation für so einen Profiläufer sehr viel mit Geld zusammenhängt. 40.000 € winken für den ersten Platz, weitere 30.000 € für eine Zeit unter 2:04:30 h und weiter 50.000 € für den Streckenrekord. Zudem gibt es die Chance den World Marathon Majors Gesamtsieg zu holen wodurch weitere 500.000 Dollar winken. Das könnte das Leben eines Kenianers auf einen Schlag für immer verändern.

Doch so einfach sollte es nicht werden. In der Spitzengruppe laufen noch viele andere große Namen wie Dennis Kimetto und Geoffrey Kipsang Kamworor. Alle von ihnen laufen auf einer Höhe von gut 2.700 Meter über dem Meeresspiegel jede Woche 200 Kilometer und mehr. Jede Einheit um noch ein klein wenig besser zu werden und das Maximale aus dem Körper rauszuholen. In Trainingsgruppen mit vielen Top-Läufern und welche die es noch werden wollen geht es über den lehmigen Boden rund um das Läufermeka Iten in Kenia. Jeder von ihnen hat das Zeug dazu, das nötige Training und die Bestzeiten um einen solchen Marathon zu gewinnen. Schlussendlich entscheidet meist der Kopf über Sieg oder „Niederlage“. Den zum Schluss zählt meist nur der erste Platz, dahinter ist die Freude nicht mehr so groß.

Die zwei Stunden Marke im Marathon zum Greifen nahe

TrainingspläneWir schreiben das Jahr 2014. Wieder beim Berlin Marathon und Dennis Kimetto stellt den unglaublichen Weltrekord von 2:02:57 Minuten auf. Die Entwicklung zeigt weiterhin Richtung zwei Stunden und jeder möchte der erste sein der diese Schallmauer durchbrechen kann. Unter Läuferkreisen ist man jetzt der 2:02 Mann, läuft man den Marathon in unter 2:04 h ist man der 2:04 Mann usw. Die Marke scheint zum Greifen nahe, oder ist sie doch noch weit entfernt? Die Meinungen der Athleten und Wissenschaftler gehen hier weit auseinander. Viele sind der Meinung diese Zeit von 2 Stunden im Marathon würde erst in gut 30 Jahren und länger geknackt werden, andere wiederum glauben es wird schon bald soweit sein. Für einen Auseinstehenden sind es nur Sekunden die fehlen, ca. 3 Sekunden pro Kilometer – klingt doch eigentlich nicht viel. Doch diese Sekunden sind unglaublich viel wenn man bedenkt das jeder Kilometer in einer Zeit von 2:50 Minuten gelaufen werden muss um die Schallmauer von 2 Stunden zu durchbrechen.

Chancen müssen genutzt werden denn sie kommen nicht oft

Im Buch Zwei Stunden* von Eid Caesar wird jeder Einblick spannend und bis ins kleinste Detail erzählt. So auch die Realität die einen Sportler sehr schnell einholen kann. Die Chance einen großen Marathon zu gewinnen gibt es maximal 2x im Jahr. Und gehört man zu den absoluten Topathleten so wie es die meisten Kenianer sind wird man von einem Manager „geführt“. Dort ist es klar, dass die Starts im Marathon bei einem großen Word Major stattfinden müssen um so viel Preisgeld wie möglich zu bekommen. Leider sind diese Strecken nicht für Weltrekorde ausgelegt, nur der Berlin Marathon der die schnellste Marathonstrecke darstellt wo immer wieder neue Rekorde erzielt werden. Läuft man schnelle Zeiten auf anderen Strecken wie New York oder Boston zählen diese nicht zu den absoluten Topzeiten und ihnen wird nicht die Beachtung geschenkt die sie eigentlich haben sollten. Auch für den Sportler selbst stellt so ein Marathonsieg nicht immer das Gewünscht dar. Diese streben nach mehr. So geht es auf Mutai der wie alle anderen Läufer immer wieder mal mit Problemen zu kämpfen hat.

Die Versuchungen im Laufsport und Veränderungen der Gewinner

Sieht man eine Marathonübertragung im TV stehen alle Sportler mit leichtem Untergewicht und topfit an der Startlinie. Keiner sieht die Vorbereitung die hinter ihnen liegt mit den vielen Höhen und Tiefen. Verletzungen, mentale Niederschläge und mehr fordern diese Sportler jeden Tag aufs neue heraus. Die Perspektiven für ein in Kenia aufgewachsenes Mädchen oder einen Jungen sind sehr klein. Durch den Laufsport gibt es jedoch Hoffnung. Daher trainieren dort unzählige Leute täglich um irgendwann den Durchbruch zu schaffen. Ist es dann soweit kann sich auf einen Schlag das Leben eines Läufers in Kenia komplett verändern.

Doch mit dem Geld kommen auch viele andere Probleme. Im Buch werden diese „Schattenseiten“ gezeigt die solche Läufer oftmals durchleben. Jeder kennt einen aus dem TV und man kann sich schwer frei bewegen. Alle wollen Geld von dir haben. Die Möglichkeiten sind groß und auch die Versuchen nach mehr Luxus. Doch das kann die Leistung sehr beeinflussen. Wenn jemand damit nicht umgehen kann gibt es auch oftmals den Griff zum Alkohol was verehrende Folgen haben kann wie im Buch beschrieben wird.

Bleibt der gewünschte Durchbruch aus gibt es ja noch sogenannte Wunderärzte und Manager. Anfangs wussten viele nicht Bescheid, doch heute kann es meist keiner mehr schönreden. Auch in Kenia ist das Thema Doping angekommen und steht an der Tagesordnung. Dies wird im Buch gut beschrieben.

Die Rückseite vom Buch Zwei Stunden - Vom Traum den Marathon zu laufen

Faszinierende Einblicke, Emotionen und Laufsport pur

Insgesamt 3 Jahre hatte der Autor Ed Caesar an diesem Werk gearbeitet. Er hat hunderte von Interviews geführt, viele Sportler über einen langen Zeitraum begleitet, bei ihnen gewohnt, bei diversen Trainern gegessen und mit ihnen Zeit verbracht. Dieses Buch bringt so viele Details zu Tage die sonst niemals ans Licht kommen. Und gerade das macht den Sport aus. Die Höhen und Tiefen die hinter einem liegen, der eiserne Wille niemals aufzugeben und Schmerzen einfach ausblenden zu können. Doch eines unterscheidet diese Sportler ganz klar von vielen anderen – der Zusammenhalt. Klar, jeder kämpft gegen jeden und keiner schenkt sich im Wettkampf was. Jedoch sind sie alle gute Freude und jeder begegnet dem anderen mit Respekt. Trainiert wird in großen Gruppen und jeder kann vom anderen lernen und versucht sich gegenseitig zu pushen. Auch im Wettkampf werden Getränke weitergereicht und fair bis ins Ziel gekämpft. Das macht diese Profiläufer einfach so sympathisch.

Unser Fazit

Egal ob man den Laufsport einfach nur gerne mag oder selbst ein ambitionierter Sportler ist – dieses Buch ist eine absolute Pflichtlektüre. Die Faszination die diese Läufer antreibt, den Willen den sie reinstecken und einfach immer alles geben treibt einen selbst voran und gibt Motivation weiter. Jede Seite baut Spannung auf, gibt Hintergrundeinblicke die man sonst nicht kennt und zeigt das wahre Gesicht der Sportler. Es macht einfach hungrig nach mehr. Von unserer Seite aus können wir euch dieses Buch wärmstens ans Herz legen – auch wenn der ein oder andere nicht vor hat so bald einen Marathon zu laufen ☺ Diese Details bringen einem auch über alle anderen Strecken ein ganzen Stückchen nach vorn.

Nachtrag

Das Buch „Zwei Stunden“ von Ed Caesar erschien im April 2016. Etwas bevor das absolute Marathontalent Eliud Kipchoge auf sich aufmerksam machte und inzwischen als der wohl beste Marathonläufer der Welt bekannt ist. Bisher konnte er erst 2 mal bezwungen werden, alle anderen Marathons hat er gewonnen. Davon 2x den olympischen Marathon. Wer Eliud Kipchoge* kennt weiß das er der Meinung ist: Grenzen gibt es nur im Kopf. Und damit hat er in vielerlei Hinsicht recht. So war die Marke Nike daran interessiert den Marathon unter 2:00 Stunden ins Leben zu rufen. Das Projekt Breaking 2 wurde im ersten Anlauf in Monza durchgeführt. Unter wie viele sagen „Laborbedingungen“ versuchten 3 Topathelten (darunte Eliud Kipchoge) unter vorheriger langer Begleitung und Training durch die besten Manager und Experten von Nike auf der Formel 1 Strecke in Monza diese Zeit zu unterbieten. Mehrere Tempomacher die sich immer wieder abwechselten versuchten das Tempo so konstant wie möglich zu halten. Schlussendlich konnte Eliud eine Zeit von 2:00:25 erreichen und zeigte der Welt damit, dass nur noch 26 Sekunden fehlen um unter 2 Stunden zu kommen.

2 Jahre später gab es diesen Versuch erneut in Wien auf der Praterallee. Alles wurde weiter verbessert, von den Carbonschuhen bis hin zu einer neuen Aufstellung der Tempomacher und mehr. Und es hat geklappt. Eliud Kipchoge konnte die Welt eines besseren belehren und mit einer unglaublichen Zeit von 1:59:42 die Schallmauer von zwei Stunden durchbrechen.

Das Rennen wurde live verfolgt und findet ihr unten stehend als YouTube Einbindung. Noch tiefere Einblicke gibt der Kinofilm „The last Milestone“* den ihr gerne hier anschauen könnt. Eliud ist eine absolute Inspiration und er hält aktuell immer noch den offiziellen Weltrekord im Marathon von 2:01:39 Stunden.

Es ist einfach nur beeindruckend so weit hinter die Kulissen der besten Marathonläufer der Welt zu blicken. Von der Vorbereitung, den Marathonplanungen und den Läufen in den Großstädten dieser Welt wird man direkt mitgenommen.

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